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SKV Stadtallendorf 1952 e.V. » Chronik » Hallo Gast [Anmelden|Registrieren]

Die 50er Jahre Die 60er Jahre Die 70er Jahre Die 80er Jahre Die 90er Jahre
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Die 50'er Jahre nach oben
Wie alles begann – oder zehn Gründungsmitglieder und ihre Vision


Deutschland im Jahre 1952: Noch litt man unter den Nachwirkungen des Krieges. Vom Wirtschaftswunder, welches wenige Jahre später aufkommen sollte, war noch nicht viel zu spüren. In diesen harten Zeiten wehte jedoch der Geist des gemeinsamen Wiederaufbaus durch Deutschland. Ein Zeit, die von Zusammenhalt und Kameradschaft geprägt war. Diese Zeit verlangte wohl nach Pionieren und Visionären, die ihre Ideen in die Tat umsetzten.

So fanden sich die zehn Gründungsmitglieder unter der „Leitung“ des späteren 1. Vorsitzenden Johannes Jesberg zusammen und gründeten den „Sport-Kegler-Verein 1952 e.V.“ in Allendorf. Diese zehn Idealisten, mit Namen Alfred Austell, Walter John, Karl Kautetzky, Michel Müller, Franz Parsche, Erich Pechanz, Anton Schubert, Robert Themel, Josef Wolf und der bereits erwähnte Johannes Jesberg, waren die Männer der ersten Stunde. Diese Männer, die alle in der heutigen Herrenwaldsiedlung wohnten, bekamen die Bahn, die innerhalb der Siedlungsgenossenschaft gebaut worden war, durch Alfred Austell überlassen. So hatte man also einen Verein, Gemeinschaft und eine Kegelbahn. Was man jedoch nicht hatte waren Dach und Außenwände. Ja, die Kegelbahn war der Witterung ausgesetzt. Man konnte nur Kegeln, wenn auch Petrus Lust hatte mitzuspielen. Das Wetter war für die Mannen aus dem Sudetenland jedoch kein Grund der Heiterkeit einen Abbruch zu tun. Schließlich ging es um den Spaß, die Gruppe und das gesellige Beisammen sein. Der Kegelsport schweißte die „Truppe“ zusammen, dies wohl auch, weil man anfänglich keine Sitzmöglichkeiten hatte und so stand der gesamte Klub mit dem jeweiligen Spieler auf der Bahn. Mal stand man links, mal rechts. Alte Hasen des Kegelsports wissen auch warum man ausweichen musste. Natürlich, der Gassenzwang, d.h. die Gasse in die gekegelt wurde entschied darüber, wo man seinem Klubkameraden zur Seite stehen durfte. Die Bewirtung der damaligen „Freiluftanlage“ übernahm Erich Pechanz. Man möge sich jedoch bitte keine Schankanlage oder gar eine Gastwirtschaft vorstellen. Wo sollte die denn auch hin. Nein, Erich Pechanz ließ sich alles nach Hause liefern und brachte die Getränke zum Kegelabend mit. Auch einen Kegelautomaten gab es noch nicht, doch auch dieses „Problem“ wurde von unseren Vorbildern gelöst: Die Jugendlichen verdienten sich ein Paar Pfennige (im Höchstfall 1 DM) dazu als „ Kegeljungen “.

Diese Erzählungen zeugen vom Geist, der Intension, dem Mut und dem Zusammenhalt dieser Männer, denen wir viel zu verdanken haben.

Der Kegelverein war also geboren und es dauerte nicht lange da ging die Mitgliederzahl in die Höhe und bei steigenden Mitgliederzahlen ließen dann auch ein Dach und die Hohlblocksteine, die die Außenwände endlich ausfüllen sollten, nicht auf sich warten. Ein Eisenofen wurde gestiftet (die Mitglieder mussten den Ofen natürlich mit mitgebrachtem Holz oder Kohle füttern) und so konnte man nun auch im Winter kegeln. Der Kugelrücklauf verlief zwar noch außen an der Anlage entlang, was im Winter zu kalten Kugeln und kalten Fingern führte, doch die Bahn war Wettkampfbereit.

Es entstanden nun mehrere Klubs und die Bahn war sozusagen über die komplette Woche „ausgebucht“. Die Gründer nannten ihren Klub „Schieb ok Du se“, in Anlehnung an die Mitglieder aus dem Sudetenland. Aus diesem Klub wiederum entstand der Klub „Mitten druff“, dann gab es noch die „Neuntöter“, unsere Damen die „Flotten Motten“ und die Jugend, deren Förderung im Vordergrund stand. Der Verein wurde im Jahre ’56 in den Hessischen Keglerverband eingegliedert und der Wettkampfbetrieb (im 100er Spiel) wurde mit unglaublichem Erfolg aufgenommen. Man kegelte den Vereinsmeister mit bis zu 600 Schub aus und teilweise auch auf fremden Bahnen, wie z.B. in Wehrda, Neukirchen oder Gensungen. Die Vereinsmeister nahmen dann an den hessischen Meisterschaften teil und auch dort hagelte es für unseren Verein Titel und Teilnahmen an deutschen Meisterschaften. Um nur einige zu nennen (man möge ein Nachsehen haben, aber bei der Fülle an erfolgen, können hier nur Auszüge wiedergegeben werden):

3 x Damenclub Hessenmeister - die „Flotten Motten“
2 x Einzelhessenmeisterin – G. Paulus
Einzelhessenmeisterin – L. Holzapfel
Jugend Hessenmeister – R. Sander
Versehrten Hessenmeister – H. Holzapfel

Dies ist um so verblüffender und bewundernswerter, wenn man sich vorstellt, dass auf diesen Meisterschaften Spieler starteten, die bis zu 1000 Schub die Woche spielten, hingegen konnten unsere Allendorfer Starter während der Woche aufgrund des Andrangs und der hohen Mitgliederzahl kaum „trainieren“. Bei den hessischen Meisterschaften stellten wir nicht nur eine erfolgreiche Jugendmannschaft, sondern auch die „ Kegeljungen “, da unsere „ Kegeljungen “ den Ruf genossen die schnellsten zu sein.

Die oben aufgelisteten Erfolge und andere Erfolge führten den Verein durch ganz Deutschland und machten ihn weit über die Grenzen Hessens bekannt. Teilnahmen an Deutschen Meisterschaften unter anderem in Saarbrücken, Osnabrück, Hannover, Bremerhaven und Dortmund trugen dazu bei.

Auf überregionalen Meisterschaften startete der Verein, d.h. die besten Spieler aus den Klubs in einem Team für den S.K.V., doch für die Klubs gab es noch keine Ligenspiele. Man veranstaltete daher Pokalkämpfe mit Hin- und Rückspielen, eine Art Freundschaftskampf mit Sieger- bzw. Wanderpokal . Die Gegner für die verschiedenen Klubs hießen damals zum Beispiel „Butz ’n weg“ Marburg oder „Kokolores“ Kirchhain. Hier zeigten sich unsere Klubs ähnlich erfolgreich wie der Verein bei den Hessenkampfspielen, dem heutigen Hessenpokal. So mussten sich unsere Herren z.B. am 25.10.1959 nur dem Gastgeber Kassel geschlagen geben und belegten damit den zweiten Platz.

Innerhalb des Vereins gab es jährlich stattfindend noch das berühmte Königskegeln, sowie das Bilderpokalkegeln (auch Underbergkegeln genannt). Am 7.9.1958 fand das Einweihungskegeln des neuen Kegelspiels mit Gummimanschetten statt. Die Sportkameraden Plettenberg und Parsche lieferten sich einen harten Kampf doch die Flasche „Contre“ ging am Ende mit 263 Holz zu 262 Holz an Franz Parsche. Vor allem der hier zuletzt erwähnte Kampf belegt beispielhaft worauf es ankam in diesen Zeiten: dem Spaß am Sport, die Freundschaft und einen gesunden Ehrgeiz.

Es wurde zusammen gewonnen und zusammen gefeiert. Fasching beim Bäcker Brückmann (mit legendären Auftritten der Mitglieder Höll, Datz, u.a.), Grillfeste im Sommer, Sommerfeste (bei denen vor allem König und Königin, sowie der Prinz zur Kasse gebeten wurden), Geburtstage der Mitglieder (hier Verpflegte man sich selbst und so schwärmen heute noch langjährige Mitglieder von Heinrich Holzapfels Sauerkraut). Es waren lustige, gesellige Zeiten und so wusste noch heute so manch ein „Kegeljunge“ zu berichten, dass man für ein Bier (0,50 DM) am „Trainingsabend“ aus einer Acht mit dem Fuß auch schnell mal eine Neun machte.
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Die 60'er Jahre nach oben
Schaffe, schaffe Häusle baue


Deutschland in den 60er Jahren: Zwar wurde Deutschland entgültig getrennt, durch den Bau der Berliner Mauer, doch Westdeutschland erlebte den wirtschaftlichen Boom, der schon Ende der 50er Jahre begonnen hatte: Das Wirtschaftswunder! Der Wohlstand kehrte ein, doch diesen Zustand hatte die Nation aus eigener Kraft hervorgebracht. Mit unermüdlicher Arbeit, Fleiß, Willen und Ehrgeiz zog das Volk an einem Strang für das gemeinsame Ziel. „Alle für einen, einer für alle“, wohl das geheime Motto dieser Epoche.

Ein Spiegelbild dieses Gefühls war auch in unserem Verein deutlich zu erkennen. Zunächst wurden ab Dezember 1961 die „ Kegeljungen “ nicht mehr benötigt, da man die neu erworbene Kegelbahnautomatik einbaute und im Jahre 1963 war der Aufschwung, der Fortschritt des Vereins nicht mehr aufzuhalten:

Eine Baugemeinschaft wurde gegründet, denn man hatte sich Entschlossen das heutige Kegelsporthaus zu bauen. Ja, dieses Gebäude mit samt den vier Bahnen sollte aus eigener Kraft, in Eigenleistung entstehen. Mit unglaublichen 12.000 Stunden Eigenleistung der Mitglieder sowie der Unterstützung des Landes Hessen, des Kreises, der Stadt und vielen Gönnern des Vereins entstand in vier Jahren eines der modernsten Kegelsportzentren dieser Zeit. Eine bis heute unerreichte Leistung in dieser, unserer Stadt. Stellvertretend für alle Beteiligten sollte hier Walter John genannt werden, der als Vorbild voran ging und 1.700 Arbeitsstunden für diesen Bau leistete.

Die Bautätigkeit stoppte die „Kegelmanie“ unserer Mitglieder keinesfalls…Fleißig wurden Königskegeln, Vereinsmeisterschaften, Bilderpokalkegeln und Pokalkämpfe durchgeführt. Hessischen Meisterschaften, deutschen Meisterschaften und Hessenkampfspiele wurden nun zu Pflichtveranstaltungen für den S.K.V.. Die Erfolge der 50er konnten Ausgebaut werden: Die „Flotten Motten“ dominierten auf hessischer Ebene das Geschehen in der Damenklubkonkurrenz. In den Jahren ’61, ’62 und ’63 konnte die Formation Emmi Hahn, Lucie Holzapfel, Rosa Jesberg, Gertrud Paulus und Rosa Spitzenberger den Hessenmeistertitel in den Händen halten und war „Stammgast“ der deutschen Meisterschaften. ’66 und ’69 wurden die Damen hessischer Vizemeister und stellten mit Gertrud Paulus und Rosa Jesberg im Jahre ’66 die Einzelhessenmeisterinnen in den Disziplinen Damen und Seniorinnen. Christa Nowak errang die Silber Medaille auf der hessischen Meisterschaft 1969 und Rosa Jesberg rundete die Leistungen der Damen mit ihrem dritten Platz auf den deutschen Meisterschaften 1969 ab. Die Herren und die Jugend standen dem in nichts nach. Heinrich Holzapfel als Hessenmeister der Versehrten in den Jahren ’61 und ’63, Erich Pechanz im Jahre 1965 mit der Silber Medaille in der Seniorenklasse und Rudolf Sander als hessischer Jugendmeister und deutscher Vizemeister im Jahre 1961 unterstrichen die Klasse unseres Vereins.

Bewundernswert sind die Titel währen der Bauzeit. In der Firma und am Kegelsporthaus zu arbeiten, nebenbei zu trainieren, auf Meisterschaften zu fahren und dort auch erfolgreich zu sein, verdient noch heute größten Respekt, denn auch in den 60er Jahren hatte der Tag nur 24 Stunden und die Kraft eines Menschen war auch damals schon endlich.

Für die Clubs gab es immer mehr Wettkämpfe. Neben den bereits erwähnten Pokalkämpfen, nahm man zunächst mit zwei Klubs, später mit drei Klubs am „Imhof-Pokalturnier“ in Rommerz sowie mit zwei Klubs am Rotenburger „ Wanderpokalkegeln “ teil. Auf beiden Turnieren war man stets erfolgreich. Vor allem die Klubs „Mitten druff“ und „Schieb ok Du se“ lieferten sich immer spannende Duelle. In der Saison ’65/’66 wurden die Ligenspiele eingeführt und die Klubs mussten sich „sportgerecht“ umtaufen. Es entstanden die Klubs „Blau-Gold“, „Blau-Weiß“ und „Grün-Weiß“. Die “flotten Bienen“…ähhm… die „Flotten Motten“ (natürlich), hießen von da an „Rot-Weiß“. Die Ligenspiele in den 60ern führten die „Blau-Goldenen“ in die Hessenliga und die „Blau-Weißen“ in die Bezirksklasse. Zuwachs erhielt der Verein im Jahre 1969 durch den A-Klasse West Aufsteiger „Fortuna“. Dieser Klub, bestehend aus Kirchhainern und Umgebung, hieß ursprünglich „Ohmtaucher“, da die Truppe, auf der Ohm schippernd, sich eines schönen Tages ein unfreiwilliges Bad im kühlen Nass einhandelte. Traditionell erhielt daher jedes Neumitglied der „Fortuna“ eine Taufe…

Städtekämpfe Allendorf - Marburg, das 75-jährige Vereinsbestehen Goslars mit einem zwei Tage Turnier für die Damen und die Teilnahme am „Internationalen Schereturnier“ in Berlin vervollständigten das Klubgeschehen der 60er.

Stolz konnte der Verein einen weiteren Erfolg verbuchen. Ein Mitglied vertrat die Vereinsfarben auch überregional: Hans-Willi Bosawé nahm im Jahre 1968 am Ausscheidungskegeln für die Nationalmannschaft der B.R.D. teil. Ihm gelang in den Jahren ’68 und ’69 die Berufung in die Hessenauswahl und damit auch die Teilnahme an den Westdeutschen Ländervergleichskämpfen. Dies war umso schöner, da der Ländervergleichskampf 1968 im August in Stadt Allendorf ausgetragen wurde. Ja, das selbst erbaute Kegelsporthaus erhielt wenige Monate nach Fertigstellung gebührenden Besuch. Die besten Spieler Nordrhein-Westfalens, Berlins, Niedersachsens, Rheinland-Pfalzens, Hessens und des Saarlandes gaben sich ein Stelldichein auf unsere Kegelbahnen. Doch bevor es soweit war, sollte nicht vergessen werden welche Leistung unsere Mitglieder hierfür bis zum 2. Dezember des Jahres 1967 erbracht hatten. Feierlich wurde das Kegelsporthaus an diesem Tage seinen Bestimmungen übergeben und durfte schon im Mai ’68 Gastgeber der hessischen Landesmeisterschaften sein. Hier wurde Renate Reuzing Vizemeisterin der Damen und Reinhold Wolf bewies mit dem Tagesbestergebnis beim Mannschaftswettbewerb der Jugend die Tauglichkeit der Bahn.

Abschließend ist klar, dass dieses Jahrzehnt ganz im Zeichen des Kegelhausbaus stand. Das gesteckte Ziel wurde gemeinsam verwirklicht. Dies und vieles mehr gab Anlass zu feiern. Weiterhin war der Zusammenhalt im Verein vorbildlich. Neben Faschingsfeiern, Grillfeiern, Sommerfesten und Geburtstagen, die in der bestehenden Tradition durchgeführt wurden, kamen das von uns organisierte Kegelfest in der Festhalle, Vereinsumzüge durch die Stadt bei Stadtfesten und natürlich das Richtfest hinzu. Das Kegelsporthaus bot einen eigenen „Festsaal“ mit exzellenter Bewirtung durch das Ehepaar Paulus an und so musste man für Festivitäten wie z.B. Fasching nicht mehr ausweichen. Zeitzeugen schildern noch heute den Andrang am Eingang der bei Festen des S.K.V.s herrschte. Man musste schon einige Stunden vorher das traute Heim verlassen, um noch Einlass zu erhalten, denn auf den Festen war immer etwas geboten. Man lachte, tanzte und sang zusammen. Mitglieder boten auf der Bühne Büttenreden, artistische Einlagen (Oskar Höll konnte mit einem vollen Bierglas auf dem Kopf tanzen) und erzählte Witze. Ein ungeschriebenes Gesetz des Vereins in diesen Tagen: Wer Kegeln kann, der kann auch gut Tanzen. Der Rhythmus ist für Kegler eben wichtig und liegt uns im Blut!
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Die 70'er Jahre nach oben
Der sportliche Erfolg hüllt sich in Blau und Weiß


Deutschland in den 70er Jahren: Ein Machtwechsel hatte stattgefunden und die CDU musste sich nach 20 Jahren der SPD geschlagen geben. Ein Zeichen für einen Generationswechsel. Die Jugend schrieb die Schlagzeilen dieser Zeit: Studentenproteste, Frauen – und Friedensbewegung, Umweltbewegung…

Nach Außen bewies Deutschland jedoch Einigkeit und erntete Akzeptanz. 1973 wurde man in die UNO aufgenommen und auch sportlich konnte man den Namen in Ruhm hüllen. Vor allem Bayern wurde zum Nabel der Welt: 1972 war München Gastgeber der Olympischen Spiele, Bayern München gewann den Landesmeisterpokal und Deutschland wurde mit großem Bayernblock Welt – und Europameister. Blau und Weiß waren die Farben, die Deutschland sportlich nach außen repräsentierten.

Dieses Jahrzehnt war auch für den S.K.V. Stadt Allendorf von höchsten erfolgen gekrönt und man ist versucht zu behaupten, dass hier der Nabel des hessischen Kegelsports lag. Doch bevor der Stern von „Blau-Weiß“ aufging, begann man die 70er mit dem Hessenligisten „Blau-Gold“. Die Jugend war es, die das gewohnte Bild auf den Kopf stellte, um das zu erreichen, was sie wollte: Erfolg auf höchstem Niveau. Ja, die Jugend entschied über den sportlichen Aufstieg der „Blau-Weißen“. Die Mannen Helmut Grünspek, Reinhold Hofmann, Ernst Meixner und Reinhold Wolf, bekannt als die Jugendmannschaft von ’68, schwören noch heute einhellig: Der Vater des Erfolges hieß Hans-Willi Bosawé. Er brachte ihnen das Kegeln bei, er zog sie zu und er hielt sie bei „Blau-Weiß“.

Die „Blau-Goldenen“ konnten, wohl auch mangels Nachwuchs, die Klasse nicht halten und so traf der Absteiger in der Regionalligasaison 70/71 auf den Aufsteiger „Blau-Weiß“. Die Mannschaft um Routinier Bosawé konnte die kontinuierlichen Aufstiegserfolge der Vorjahre fortsetzen und schaffte den Aufstieg in die Hessenliga. „Blau-Gold“ stieg leider erneut ab und war nun Bezirksligist. Von dort an liest sich die Erfolgsgeschichte von „Blau-Weiß“ wie ein Märchen: Der erfahrene Hans-Willi und sein fünf Junioren!

Eine Geschichte, die den Leser faszinieren wird und ihn eintauchen lässt in ferne Städte sowie unerreichbar geglaubte Erfolge.

1972 holte die Formation Bosawé, Kremer, Wolf, Grünspek (Mitglied der Hessenauswahl ’71), Hofmann (hess. Juniorenmeister Einzel ’71) und Meixner (hess. Juniorenmeister Einzel ’72) den Hessenpokal nach Stadtallendorf. Hierbei bezwang man Titelverteidiger „Fortuna“ Herborn und im Finale „Germania“ Marburg (die zuvor Bundesligist „Condor“ Kassel aus dem Pokal geworfen hatten)!

1973 Meister der Hessenliga, damit Klub-Hessenmeister und Teilnehmer an den Aufstiegsspielen zur 2. Bundesliga mit den Mannschaftsmeistern Berlin (Berlin), Osnabrück (Niedersachsen), Wanne-Eickel (NRW), Dudweiler (Saarland) und Leiwen (R.-P.). Mit 51 LP knapp am Aufstieg gescheitert.

1974 Meister der Hessenliga, damit Klub-Hessenmeister und Teilnehmer an den Aufstiegsspielen zur 2. Bundesliga mit den Mannschaftsmeistern Berlin (Berlin), Osnabrück (Niedersachsen), Wattenscheid (NRW), Wiesbach (Saarland) und Traben-Trarbach (R.-P.). Mit 29 LP noch knapper am Aufstieg gescheitert. Reinhold Hofmann wurde erneut Hessenmeister im Einzel und die Vereinsmannschaft konnte mit Bosawé, Grünspek, Hofmann, Meixner, Wolf und dem Neuzugang Matthias Koerner als hessischer Vizemeister zu den deutschen Meisterschaften fahren

1976 traten drei Runden in Folge die Gegner im Hessenpokal nicht mehr zum Rückkampf an (damals noch im System mit Hin- und Rückkampf), da sie das Hinspiel schon „Haushoch“ verloren hatten. Die „Blau-Weißen“ verbreiteten Angst und Schrecken…

1977 erstrunden Sieg im Hessenpokal gegen den Bundesligisten „Condor“ Kassel und damit genug Selbstvertrauen um im selben Jahr den „Pokal“ nach Stadtallendorf zu holen. Im Korbacher Tylenturm setzten sich Grünspek, Hofmann, Kremer, Meixner und Wolf gegen Sontra, Arolsen und Marburg durch.

1978 war das Jahr der Superlative: Hessenpokalsieger (als Titelverteidiger), Meister der Hessenliga, damit Klub-Hessenmeister und AUFSTIEG IN DIE 2. BUNDESLIGA. Es war geschafft! Im dritten Anlauf ließ sich „Blau-Weiß“ nicht mehr von Condor, Caro 9, Germania und anderen Mannschaften stoppen. Die „Jugend“ hatte ihr Ziel erreicht.

• Im ersten Bundesligajahr 1979 konnte man die Klasse halten, doch musste man 1980 Absteigen…

Natürlich möchten wir nicht vergessen, dass sich „Blau-Gold“ und „Fortuna“ in die Regionalliga hoch kämpften und dort für einige Jahre erfolgreich mitspielten und auch unsere Damen von „Rot-Weiß“ gehörten zum Inventar der Hessenliga Damen, doch möchten wir um Verständnis bitten für die detaillierte Schilderung der „Blau-Weißen“ Erfolge, da es nie wieder in unserer 50jährigen Vereinsgeschichte einem Klub gelang in die zweithöchste Spielklasse Deutschlands aufzusteigen. In diesem Jahrzehnt gelang es dem Verein zur Elite aufzusteigen. Der Beleg folgt auf dem Fuße: 1974 hatte man hohen Besuch auf unseren Kegelbahnen, denn der SKV Stadtallendorf 1952 e.V. war Gastgeber des Länderspiels Deutschland-Belgien. Auch die Planung und Genehmigung des 4-Bahnenanbaus im Jahre 1978 zeugen davon. Stadtallendorf sollte zu einer Kegelmetropole werden mit 8 hervorragenden Bahnen. Der Verein genoss ein hohes ansehen in der Stadt und hatte einen enormen Mitglieder Zuwachs. Glaubt man Zeitzeugen, so war Kegeln „in“ und wer von sich behauptete im Kegelverein zu sein, ohne jedoch jemals eine Kugel geschoben zu haben, der genoss trotzdem dasselbe Ansehen. Von diesen Mitgliedern gab es wohl auch eine „Handvoll“, jedoch der Überwiegende teil war aktiv. Die Jugendförderung als Flaggschiff des Vereins wurde auch in dieser Zeit großgeschrieben. Helmut Grünspek als Jugendwart trainierte die Jugend und unter ihnen Namen wie Ingo Mandelik oder Georg Kamnakis, die in den 80ern noch für Furore sorgen sollten.

Auf vereinspolitischer Ebene bewegten die „Junioren“ in dieser Epoche auch einiges. 1972 legte der langjährige Sportwart Walter John sein Amt nieder und Willi Bosawé beerbte ihn. 1977 dann ging Johannes Jesberg nach fast 25 Jahren aus seinem Amt und die „Jugend“ der 70er entschied sich für den „Machtwechsel“ und für Kurt Kautetzky als 1. Vorsitzenden. Mit ihm ging auch der Umbau des Kegelsporthauses 1978 einher.

Die Großveranstaltungen fanden traditionsgemäß statt. Neben Fasching, Weihnachten und anderem gab es in diesem Jahrzehnt die 20 Jahr Feier im Gästehaus (heutiges Parkhotel) und die 25 Jahr Feier im Kegelsporthaus sowie einen Vereinsausflug nach Traben-Trarbach.

Bleibt als Anekdote dieser sportlich bewegten Zeit noch der legendäre Sieg der „Blau-Weißen“ in Berlin nachzutragen:

Nach einem harten Arbeitstag am Freitag ging es abends, vermutlich mit dem roten Kleinbus von Kurt Kautetzky, in die Hauptstadt. Dort, tief in der Nacht, war zunächst leider keine Herberge aufzutreiben, doch mit Hilfe der Polizei fand man um drei Uhr morgens noch einige Zimmer. Die wurden jedoch nicht benötigt, denn an diesem Morgen bzw. in dieser Nacht war der Boxkampf um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht zwischen Cassius Clay (Mohammad Ali) und George Foreman angesagt. Die Übertragung war in der Hotelhalle zu sehen und so beschloss das Team die Nacht zum Tag zu machen. Ohne eine Sekunde Schlaf trat man dann zum Spiel beim Gegner an und….bezwang ihn.
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Die 80'er Jahre nach oben
Die Klubs geben sich das „Ja-Wort“ – Einheit oder Zweckehe?


Deutschland in den 80er Jahren: Ein Misstrauensvotum stürzt Kanzler Schmidt, die Ära Kohl beginnt und sie beginnt mit den „Grünen“, denn die erobern den Bundestag. Die Ordnung ändert sich in Deutschland. Die Nachkriegsgeneration steht für Einigkeit, Freiheit und Demokratie. So kommt es gegen Ende dieses Jahrzehnts zum Ende des Kalten Krieges, vor allem durch die sich anbahnende deutsche Wiedervereinigung. Willy Brandt am 9. November 1989: „Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört.“.

Ob die Klubs zusammen gehörten oder nicht, das liegt im subjektiven Ermessen des Betrachters, doch ist diese bewegte und durchaus schwierige Zeit von mehreren Seiten zu durchleuchten.

Nach dem Abstieg der „Blau-Weißen“ aus der zweiten Liga sowie den nicht zu verkraftenden Abgängen von Meixner und Bosawé war die Existenz und der sportliche Erfolg des Klubs durchaus gefährdet. „Blau-Gold“ schrieb im vorhergegangenen Jahrzehnt nicht die größten sportlichen Erfolge und war trotz vermeintlich starker Mitgliederzahl zu einem „Gesellschaftsklub“ degeneriert. Hier ist nun der sportliche Ehrgeiz, der sich gegen die Geselligkeit stellt. Zwar gab es im gesamten Verein eine Geselligkeit zu Großveranstaltungen, doch hatten die Klubs untereinander nichts miteinander zu tun. Es war schon in den 70er zu kleinen autonomen Vereinen im Großverein gekommen. Nun stand man also vor der Frage: „Möchte ich für den sportlichen Erfolg mit Menschen kegeln, die ich nicht einmal richtig kenne?!“ Die „junge Fraktion“ der „Blau-Goldenen“ in Form von Penugaow und Braun bejahten diese Frage für sich und forcierten die Fusion der beiden Klubs. Für „Blau-Weiß“ war diese Fusion eine Existenzgarantie und wurde vom 1.Vorsitzenden K. Kautetzky, seines Zeichen „Blau-Weißer“, ebenfalls befürwortet. So kam es zum ersten „Ja-Wort“ im Verein und die Hessenligamannschaft im Jahre 1981 hieß SG Stadtallendorf 1 in der Formation: Grünspek, Hofmann, Kamnakis, Mandelik, Penugaow und Wolf.
Die „Fortuna“ aus Kirchhain und die SG waren neben den „Rot-Weiß“ Damen, die den Mannschaftsspielbetrieb in dieser Epoche einstellten, alles was der Verein nun noch hatte.

Die Wettkampfregeln schrieben nun ein 200er Spiel in einer sechser Mannschaft vor und direkte Wettkämpfe zwischen den Gegner. Man hatte also eine Reform durchgeführt und der Spielbetrieb der Hessenliga aus den 70ern, mit dem 100er Spiel in einer fünfer Mannschaft als Turniersystem war nun nicht mehr gültig. Die SG hielt sich wacker in der Hessenliga, konnte jedoch nie um den Aufstieg mitspielen. Die „Fortuna“ konnte sportlich auch nicht mehr als die Klasse in der Regionalliga halten. Reinhold Wolf von der SG konnte sich 1982 und 1984 über die Nominierung in die Hessenauswahl und 1984 über den Vizehessenmeistertitel im Einzel freuen. Es war trotz allem ein „kleiner Bruch“ entstanden, man feierte zwar Großveranstaltungen wie Tanz in den Mai und im Jahre 1982 einen Keglerball in der Festhalle, doch die Ehe, die den sportlichen Erfolg bringen sollte, war zwar gut für die sportlich Existenzsicherung, doch sie erfüllte ihren Zweck nicht ganz. Opfer dieser Vereinssituation in den frühen 80ern war die Jugend, die fast vollständig brach lag. Im Jahre 1983 kam man auf die Idee, den Aufstieg in die zweite Bundesliga mit einer Verstärkung verwirklichen zu können. Diese Verstärkung kegelte bei „Fortuna“ und hieß Martin Buchholz. Martin Buchholz kegelte von da an für die SG und als „Ersatz“ erhielt die „Fortuna“ Kurt Kautetzky und Adolf Schulz sen.. Der erste Schritt in Richtung Gesamtfusion war getan. Die „Fortuna“ blieb gesellschaftlich das „non plus ultra“. Die Verstärkung schweißte die Truppe zusammen und es gab sogar Ausflüge bzw. gemeinsamen Urlaub auf Mallorca und in Österreich. Die SG schrieb sportlichen Erfolg. Verstärkt erreichte man den dritten Platz bei den Hessenmeisterschaften und wurde zweimal hintereinander Vizehessenpokalsieger. Im Jahre ’85 lud der Verein unter Sportwart Peter Penugaow und dem Vorsitzenden Kurt Kautetzky zum „1.Hans-Willi Bosawé Gedächtnispokalturnier“ ein, der von diesem Jahr an eine feste Größe im Jahresterminplan wurde. 1986 tätigte der Verein eine weitere große Investition: Vier hochmoderne Kegelstellautomaten mitsamt neuer Elektronik der Anzeigen und Schaltpulten wurden für knapp 100.000 DM installiert. Die Neuwahlen 1986 konnte Peter Penugaow für sich entscheiden und so endete die Ära Kautetzky als 1. Vorsitzenden. Unter dem Vorsitzenden Penugaow kam es letztlich auch zur Gesamtfusion. Da die „Fortuna“ ca. neun Spieler hatte, aber nur eine sechser Mannschaft stellen konnte und die SG ebenfalls Spieler hatte die „brach“ lagen, fusionierte man, um eine weitere Mannschaft stellen zu können. Die „Fortuna“ wurde also in die SG eingegliedert. Es ist natürlich schwierig Stellung zu dieser Fusion zu beziehen, da die Lager gespalten waren, doch musste man wohl abwägen zwischen Existenz, Erfolg und Teamgeist.

Manche behaupten für die Existenz sei diese Ehe von Nöten gewesen, da der kontinuierliche Mitgliederschwund und die mangelnde Jugend den Verein „ausbluten“ ließen und ohne Fusion hätte es eine sehr „alte“ Fortuna ohne viel Zukunft und einen Vereinstorso, also einen kümmerlichen Rest, gegeben. „Die SG gab die Möglichkeit alle Mitglieder besser kennen zu lernen und neue Freundschaften zu knüpfen.“ Die andere Hälfte wiederum behauptet die Gier nach sportlichem Erfolg hätte die Gemeinschaft, den Teamgeist, innerhalb der Klubs vergiftet und durch die Fusion seien die Klubs zerschlagen und aufgelöst worden. „Man kegelte nicht mehr mit seinen Leuten, sondern mit Fremden.“ Einheit oder Zweckehe? Der Leser erkennt, dass beide Lager ein wenig Recht hatten und die Zeit es zeigen sollte…

Der Mitgliederschwund kostete trotzdem die Klasse und Umgekehrt. Als Regionalligist verlor man Kamnakis, Buchholz und vor allem Mandelik, der heute in der ersten Bundesliga spielt. Die Abgänge waren auch privater und beruflicher Natur, doch der Trend hielt an. Auf die Frage was den Vorsitzenden während seiner Amtszeit traurig stimmte, antwortete er mit: „ Der kontinuierliche Mitgliederschwund und die Bahnbelegung.“. Man sieht, auch anhand der Bahnbelegung, Kegeln war einfach nicht mehr angesagt in den Altersklassen 25-35. Auch in unserem Verein bildete sich solch eine Alterskluft. Die Personen in den eben genannten Altersklassen konnte man an einer Hand abzählen. Zu wenig hatte man wohl für die Jugendarbeit getan in den sportlich blühenden Jahren der 70er. Es war im Jahrzehnt zuvor nicht gelungen genügend Jugendliche langfristig zu binden und mit Kamnakis und Mandelik waren die letzten gegangen. Dies erkannte Peter Penugaow schon früh in den 80er- Jahren. Er begann Schulen anzuschreiben und bat Arbeitskollegen, doch bitte ihre Kinder zum Kegeln zu schicken. Mit der nötigen Sorgfalt und der Zeit betreute er zusammen mit Alois Schindler diese Jugendlichen. Der Andrang wurde plötzlich so groß, das Adolf Schulz sen. aushelfen musste und die Anfänger übernahm, während Peter Penugaow dem Jugendwart Wulfhard Schulz die älteren Jugendlichen übergab. Dieses Quartett baute eine Jugendabteilung auf, die in den 90ern seines gleichen in Hessen suchen sollte. Was den Erwachsenen nur mäßig gelang, stellte die Jugend unter Beweiß: „Nun wächst zusammen, was zusammen gehört.“.

Die Herren stiegen bis in die Gruppenliga ab und hielten sich am Ende der 80er-Jahre dort. Konnten nach der Fusion zur SG im Jahre 1986 noch fünf Mannschaften gestellt werden, so waren es 1989 nur noch drei. Man hatte in drei Jahren mehr als 14 aktive Mitglieder verloren und hatte leider noch keinen Nachwuchs. Zu spät hatte man die Gefahr erkannt, doch vielleicht konnte der Aufbau der Jugend 1986 den Verein und die Herren nochmals retten?

Ob der Mitgliederschwund tatsächlich mit der Fusion zur SG und der damit verbundenen mangelnden Gemeinschaft zu tun hatte, ist möglicherweise zu bezweifeln. Weiterhin gab es Vereinsmeisterschaften, Stadtmeisterschaften und vor allem Großveranstaltungen wir z.B. Fasching, Wandertage nach Langenstein, Vatertagsveranstaltungen. Doch auch diese Veranstaltungen, die den Klubs Möglichkeiten gaben sich wiederzusehen, wurden immer schlechter besucht, bis man Veranstaltungen ganz aus dem Jahresterminkalender strich, mangels Interesse. Es waren also vielleicht auch verletzte Eitelkeiten und persönliche Interessen, die die Gemeinschaft gefährdeten und letztlich zum Austritt aus dem Verein motivierten. Die Gemeinschaft war zwar angeschlagen, doch trotzdem noch zu retten, schließlich wurde 1989 das Vereinsheim mit viel Spaß in Eigenleistung „verschönert“ bzw. innenarchitektonisch renoviert. Die Senioren bewiesen, das man trotz einer oder gerade wegen einer „zusammengewürfelten Mannschaft“ aus verschiedenen Klubs Spaß, Einheit und Erfolg haben kann. Die Vereinsmannschaft der Senioren in Formation John, Kautetzky, Kleinschmidt, Möbus, Osterland, Pamp und Schulz sen. wurde 1982 Hessenmeister und fuhr mit „’ner Menge Gaudi“ zu den Deutschen Meisterschaften.

Die Jugend Deutschlands, die viel kritisierte, bewies jedoch politisch wie vereinsintern die perfekte Einheit: „Wir sind ein Volk.“. Neben Königskegeln, Vereinsmeisterschaften, Ausflügen und vor allem der Radtour am 1. Mai, die im Jahre 1989 mit mehr als 40 Jugendlichen plus Betreuern und Eltern angetreten wurde, gab es auch schon den ersten Erfolg zu verzeichnen und der schlug im HKV ein wie eine Bombe: 1989 wurde der völlig unbekannte und wettkampfunerfahrene 13-jährige Markus Preis auf anhieb Hessischer Meister im Einzel der B-Jugend! Darauf ließ sich aufbauen…
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Die 90'er Jahre nach oben
Der Stammgast der Deutschen Jugendmeisterschaften- oder -Die Jugend regiert den Verein!


Deutschland in den 90er Jahren: Die Deutsche Einheit wird vollzogen. Ein geeintes Deutschland auf der Landkarte ist noch keine Garantie für ein geeintes Deutschland in den Köpfen von Ost und West. „Aufbau Ost“ heißt die Devise; es gibt einiges wieder aufzubauen und gerade die Jugend von heute schafft es in diesem Jahrzehnt Tatkraft, Toleranz und Anerkennung zu zeigen. Unter ihr wird ein geeintes Europa entstehen und die 90er sind der erste Schritt dazu: Der Euro wird als gemeinsame Buchwährung eingeführt…

Der SKV Stadtallendorf begeht die 90er-Jahre ebenfalls geeint. Es ist zwar keine Einheit von Ost und West, doch eine Einheit von „Alt und Jung“. Unter den 100 Mitgliedern sind knapp 50 Jugendliche gemeldet. Die Jugendarbeit, auf die in den letzten vier Jahren besonders Wert gelegt worden ist, hatte den „Geist der Gründer“ und knüpfte somit auch an die Erfolge dieser Mannen an. Nach dem Titelgewinn von Markus Preis 1989 wurden in der Jugendsaison 1990 eine A- und eine B-Jugendmannschaft für die Jugendrunde gemeldet. Die A-Jugend sammelte Spielpraxis und die hervorragend vorbereitete B-Jugend wurde auf Anhieb Hessenmeister. Die folgenden Namen werden ihnen in diesem Bericht häufig begegnen, denn der B-Jugend Hessenmeister von 1990 sorgt für große Erfolge und ist heute noch der Kern des Vereins. Die Namen der Spieler lauten: Sven Becker, Eric Eckert, Oliver Gärtling, Maurizio Matera, Nico Penugaow und Christian Schulz. Diese Mannschaft und der Einzelspieler Maurizio Matera qualifizierten sich wie Markus Preis im Vorjahr für die Deutsch Jugendmeisterschaft (DJM), die in diesem Jahr in Lingen stattfand. Zu erwähnen ist in diesem Jahr noch der Einzeltitel von Nico Penugaow. Er wurde mit 9 Jahren der jüngste Bezirksmeister aller Zeiten. Von nun an ist es, aufgrund der Fülle, nur noch möglich die Erfolge der Jugend in Listenform nieder zu schreiben.

» 1991 Mannschaftshessenmeister der B-Jugend in der Formation: Sven Becker, Ralf Kuznia, Maurizio Matera, Nico Penugaow und Christian Schulz. Hessischer Vizemeister im Einzel der A-Jugend: Markus Preis und im Einzel der B-Jugend: Maurizio Matera

» 1992 3. der Hessische Meisterschaft Paarkampf A-Jugend weibl.: Nathalie Alberts und Kathrin Treufeld. 3. der Hessische Meisterschaft Mannschaft A-Jugend weibl. In der Formation: Nathalie Alberts, Simone Blaß, Tanja Hagen, Kathrin Treufeld und Christina Venter. Hessischer Vizemeister B-Jugendmannschaft in der Formation: Enrico Atzeni, Martin Glauer, Ralf Kuznia, Nico Penugaow und Christian Schulz. Hessischer und Deutscher Vizemeister A-Jugendmannschaft in der Formation: Eric Eckert, Oliver Gärtling, Adriano Matera, Maurizio Matera und Markus Preis. Hessischer Meister und Deutscher Vizemeister im Paarkampf A-Jugend: Adriano Matera und Markus Preis. Hessischer Vizemeister Einzel B-Jugend: Christian Schulz. Nominierung von Markus Preis in die Jugendnationalmannschaft und Europameister im Paarkampf A-Jugend mit Karsten Detert aus Herne.

» 1993 Hessischer Meister und Deutscher Vizemeister B-Jugendmannschaft in der Formation: Enrico Atzeni, Artur Bielka, Martin Glauer und Nico Penugaow. 3. der Hessischen Meisterschaften und Deutscher Meister A-Jugendmannschaft in der Formation: Eric Eckert, Oliver Gärtling, Ralf Kuznia, Maurizio Matera, Markus Preis und Christian Schulz. Hessischer Vizemeister im Paarkampf A-Jugend: Maurizio Matera und Markus Preis.

» 1994 3. Hessischer Meister Mannschaft A-Jugend weibl.: Claudia Blaß, Simone Blaß, Claudia Kolar, Kathrin Treufeld und Christina Venter. Hessische Meister und Deutscher Vizemeister Mannschaft B-Jugend männl. in der Formation Enrico Atzeni, Artur Bielka, Martin Glauer, Nico Penugaow und Steffen Zimmer. Hessischer und Deutscher Meister A-Jugend männl. in der Formation Eric Eckert, Oliver Gärtling, Ralf Kuznia, Maurizio Matera und Christian Schulz. Hessischer Meister Einzel B-Jugend männl.: Nico Penugaow. Deutscher Vizemeister Einzel B-Jugend männl.: Enrico Atzeni. Hessischer Vizemeister Einzel A-Jugend männl.: Christian Schulz. 3. der Deutschen Meisterschaften Mannschaft B-Jugend weibl.: Anke Schiller mit dem KSV Wieseck.

» 1995 Hessischer und Deutscher Meister Mannschaft B-Jugend männl.: Artur Bielka, Martin Glauer, Özkan Yigit und Jürgen Zülch. 3. der Hessische Meisterschaft Mannschaft A-Jugend weibl.: Claudia Blaß, Claudia Kolar, Anke Schiller, Daniela Seipold und Kathrin Treufeld. 3. der Hessische Meisterschaft Mannschaft A-Jugend männl.: Enrico Atzeni, Ralf Kuznia, Maurizio Matera, Nico Penugaow und Christian Schulz. Hessischer Meister und Deutscher Vizemeister Paarkampf A-Jugend männl.: Maurizio Matera und Nico Penugaow. Hessischer und Deutscher Meister Paarkampf A-Jugend Mixed: Kathrin Treufeld und Maurizio Matera. Hessischer Meister Einzel B-Jugend männl.: Artur Bielka

» 1996 Hessischer Meister Mannschaft B-Jugend männl.: Artur Bielka, Andreas Skowron, Marcel Valentin und Jürgen Zülch. Hessischer Meister Mannschaft A-Jugend männl.: Enrico Atzeni, Ralf Kuznia, Nico Penugaow, Christian Schulz und Steffen Zimmer. Hessischer Vizemeister A-Jugend Mannschaft weibl.: Claudia Blaß, Anke Schiller, Claudia Kolar und Martina Kempf. 3. der Hessische Meisterschaft Einzel B-Jugend männl.: Artur Bielka. Hessischer Meister Einzel B-Jugend männl.: Andreas Skowron.

Dieser grobe Überblick verdeutlicht wie dominant unsere Jugend in diesen Jahren war. Die Spieler Eckert, Gärtling und Schulz qualifizierten sich für die Nationalmannschaftsausscheidung im Jahre 1993 und Eckert gelang, wie Markus Preis, der Sprung in die Nationalmannschaft. Maurizio Matera gelang es als einzigem Spieler in Hessen die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften in allen Disziplinen der A-Jugend im Jahre 1995. Der SKV Stadtallendorf stellte 1992 vier Jugendmannschaften, d.h. in allen Alters- und Geschlechtsklassen, war unser Verein mit einer Mannschaft vertreten. Auf den Jugendbezirksmeisterschaften 1992 wurden in einem Block alle acht Bahnen von Stadtallendorfer Spielerinnen und Spielern belegt. Folgende Spielerinnern und Spieler waren Mitglied der Hessischen Auswahlmannschaft: Simone Blaß, Christina Venter, Kathrin Treufeld, Anke Schiller, Markus Preis, Eric Eckert, Christian Schulz, Maurizio Matera, Oliver Gärtling, Nico Penugaow, Enrico Atzeni, Martin Glauer, Artur Bielka und Andreas Skowron. Die Nominierungen für die Bezirksauswahl und eine Auflistung der Erfolge auf Bezirksebene muss leider mangels Papier und Zeit entfallen. Diese Jugendlichen sorgten auch auf der Juniorenebene für Erfolge, doch auch diese können hier leider nicht erwähnt werden.

Anfang der 90er-Jahre verfuhr man über 5000 Km im Jahr für die Jugend. Es wurden immer Aktivitäten neben dem Kegeln wie z.B. Waldlauf, Tischtennisturnier, Würfelabende und Ausflüge (vor allem zur „Schnitzelranch“) geboten. Die Radtour am 1. Mai mit Grillfeier und Fußballspiel war von Jugendlichen und Eltern immer gut besucht, auch wenn manche Schwierigkeiten hatten mit dem „Mardorfer Dialekt“ der Preisfamilie („Magas, scheiß doch, Margas!“, mit viel Phantasie kann man hier „Markus, schieß doch, Markus!“ verstehen). Nicht nur der Verein, auch der HKBV bot Jugendfreizeiten, Weihnachtsfeiern und Deutsche Meisterschaftsnachtreffen an. Bei der Jugendfreizeit nach Percha/Südtirol nahmen ca. 14 Jugendliche unseres Vereins teil. Jugendfreizeiten nach Amsterdam, Büsum, Ramsau/Tirol, Rügen und München waren ähnlich gut besucht von uns. Die Jugend verbrachte in diesen Jahren Tag und Nacht, Woche und Monate zusammen. Man war wie eine Familie, man mochte sich, kannte sich und freute sich zusammen. Die A- und B-Jugendmädchen organisierten überraschend eine Meisterfeier in den Jahren 1993 und 1994 für die erfolgreichen Mannschaften der männl. A-und B-Jugend. Kaum in Alsfeld aus dem Bus gestiegen nach vier Tagen DJM, wurde man abgeholt und ins Kegelheim gefahren. Dort feierte die komplette Jugendabteilung mit Betreuern und Eltern bis tief in die Nacht. Es waren tolle Zeiten und der verein hat dieser Jugend viel zu verdanken, doch die Jugend hatte den Betreuern viel zu verdanken. Ihrer Zeit, ihrer Hingabe und ihrem Ehrgeiz zum Wohle des Vereins waren diese Erfolge zu verdanken. Peter Penugaow, Alois Schindler, Adolf Schulz sen., Wulfhard Schulz und Adriano Matera waren die Väter dieser Jahre. Man bewarb sich im für das „Grüne Band für Jugendförderung“ der DreBa, ein Preis von 10.000 DM für vorbildliche Jugendarbeit, und belegte den 2. Platz.

Die SG Herren stellten in den 90er drei Mannschaften, wobei die dritte Mannschaft auch mit A-Jugendlichen besetzt wurde, um ihnen Spielpraxis zu geben. Die SG 1 war solider Gruppenligist, konnte aber nie um den Aufstieg mitspielen. Die Herren Penugaow, Preis, Schick, Schindler, Schmidt, Schulz und Wolf mussten erste auf die Verstärkung aus der Jugend warten, bevor auch sie wieder Erfolge erzielen konnten. Markus Preis war der erste Jugendliche in der Herrenmannschaft im Jahre 1991 ihm folgten drei Jahre später die Materabrüder (Adriano und Maurizio) sowie, die 1992/1993 noch mit der SG 2 Meister geworden waren, aber nicht Aufsteigen konnten, da die SG 1 blockierte. In der Saison 1993/1994 gelang der „eigenartigen Mixtur“ aus Jung und Alt der Aufstieg in die Regionalliga. Der „Geist der Jugend“ hatte die Erwachsenen angesteckt. Man verließ die Gruppenliga als souveräner Meister mit + 8 Punkten in der Formation: Eric Eckert, Adriano Matera, Maurizio Matera, Markus Preis, Josef Preis, Alois Schindler, Torsten Wagner und Reinhold Wolf. Der Verein blühte sportlich wieder auf. Man konnte auch wieder zwei Damenmannschaften für den Spielbetrieb melden. Die SG 1 hielt sich drei Jahre in der Regionalliga, musste aber dann doch den Marsch in die Gruppenliga antreten.

Der Trend der 80er setzte wieder ein ältere Spieler wollten nicht mehr kegeln oder gaben sich mit der 2. Mannschaft zufrieden und Spieler der 2. und 3. Mannschaft verloren die Motivation. Der Mitgliederschwund war nun nicht mehr kontinuierlich, sondern rapide. Die SG 1 trat in der Gruppenligasaison 1996/1997 mit den Spielern Reinhold Wolf, Torsten Wagner und den „jungen Spielern“ Maurizio Matera, Christian Schulz, Nico Penugaow, Enrico Atzeni an. Man hatte Spieler wie Markus Preis, Josef Preis, Alois Schindler, Eric Eckert und Udo Schieder verloren. Adriano Matera laborierte an einem Kreuzbandriss und fiel die komplette Saison aus. So war der „Freie Fall“ nicht zu stoppen und man wurde in die Bezirksliga durchgereicht. Doch der Verein hatte schon andere Probleme: Mitgliederschwund und ein Schuldenberg verursacht durch die Darlehenstilgung aufgrund der Bahnerneuerung in den 70er und 80er Jahren, die neue Elektronik Mitte der 80er, Renovierungsmaßnahmen 1989, offene Forderungen durch häufigen Pächterwechsel in der Gaststätte in den 80ern und einen Wasserschaden Mitte der 90er aufgrund des Flachdachs. Es konnte theoretisch nur noch einen Mannschaft für die Saison 1998/1999 gemeldet werden. Man hatte in fast 15 Jahren SG mehr als 35 aktive Kegler verloren, die dem Verein den Rücken zukehrten.
Bei der 40-Jahr Feier des im Jahre 1992, bei der Gründungsmitglied und Vorsitzender a.D. Johannes Jesberg eine Dia-Show über den Hausbau vor 25 Jahren darbot, zeigte sich der „Vater des Vereins“ verbittert, enttäuscht und traurig über das was aus „seinem Lebenswerk“, dem Haus und dem Verein geworden war. Er versprach an diesem Abend „nie wieder einen Fuß in das Kegelheim zu setzen, bis zu seinem Tode!“. Leider hielt er Wort. Der Verein war am Ende.
Das sah auch der 1994 neu gewählte 1.Vorsitzende Torsten Wagner ein und so ruhte der Spielbetrieb für ein Jahr.

Der Mut der Verzweiflung Adriano Materas, die Hilfe der Stadt, des Kreises und des Sportbundes konnten den schon tot geglaubten Verein retten. Der damalige Pächter Georgios Siamatas war bereit das Kegelsporthaus zu kaufen und uns damit wirtschaftlich zu sanieren. Natürlich ist dies eine Maßnahme, die Schmerzte, da dieses haus in Eigenleistung mit Kraft und Herz gebaut worden war, doch es war die einzige Lösung, um den Kegelverein vor dem sicheren Ende zu retten. Der neue und aktuelle 1. Vorsitzende Adriano Matera versammelte einen komplett neuen Vorstand um sich herum und sanierte den Verein vollständig. Wie einst bei den Gründer hat die Liebe zum Kegelsport einiger weniger und vor allem von Adriano Matera, den Kegelverein neu entstehen lassen. Adriano Matera holte alte Spieler mit neuer Leidenschaft zurück und so gelang einer Mannschaft, die so schon einmal existierte in der ersten Saison im Jahre eins nach dem „Koma“ der Aufstieg von der A-Klasse in die Bezirksliga. Die Namen derer, die zurückkehrten und den Neuanfang mit Adriano Matera gingen, kennen Sie, lieber Leser: es waren die Jugendlichen der 90er! Um nur einige zu nennen: Christian Schulz, Nico Penugaow, Enrico Atzeni, Markus Preis, Maurizio Matera, Ralf Kuznia, Artur Bielka, Jürgen Zülch, Andreas Skowron, Marcel Valentin,…

Wiederaufgestiegen, wirtschaftlich Saniert, jung und ambitioniert ging man ins neue Jahrtausend!


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